Bier Brauen

Armacell Kautschuk Platten Dämmung - 2018

In Vorbereitung

Neue Sud-Pumpe für meinen Klarstein Mundschenk (2018-12)

Nach ca. 15 Suden blieb die Sud-Pumpe vor dem Hopfenkochen stehen. Ich dachte zunächst an eine Verstopfung durch hängen gebliebenes Malz. Das Ohmmeter zeigte dann aber einen unendlichen Widerstand in beiden Wicklungen. So kommt Ihr hier nun in den Genuss eines Explosionsbilds der Pumpe. Oben links liegt der Kurzschlussläufer, der im Betrieb in dem gelben Stator steckt und von dessen Magnetfeld gedreht wird. Unter der abgeschraubten schwarzen Kappe rechts oben erkennt man die Anschlussverdrahtung und den Kondensator für die 2. Motorwicklung.

Darunter liegt die geöffnete Radialpumpe. Das Pumpenrad ist mit einem Permanentmagneten versehen, der von dem um die Pumpenachse kreisenden Magneten auf dem Motorläufer mitgerissen wird. Man nennt diese Bauart daher auch Magnetpumpe. Sie hat zwei Vorteile: Es gibt keine Dichtung auf der Pumpenwelle, die undicht werden könnte. Die magnetische Kraftübertragung ist unanfällig gegen Blockaden in der Pumpe. In diesem Fall bleibt das Pumpenrad einfach stehen, während sich der Rotor mit seinem Magneten weiter im Stator drehen kann. Eine Überlastung des Motors wird damit vermieden. Meine Pumpe ist entweder thermisch nicht richtig ausgelegt gewesen oder hatte einen Materialfehler...

Original Sud-Pumpe des Klarstein Mundschenk  (2018-12)

Original Sud-Pumpe des Klarstein Mundschenk (2018-12)

Meine Anfrage nach einer Ersatzpumpe hat Klarstein seit 6 Tagen nicht beantwortet. Bei Aliexpress findet man den benötigten Pumpentyp MP-10RN in verschiedenen Ausführungen. Sowohl mit Plastikgehäuse als auch in der Stainless Steel Ausführung kann man sie für Maximaltemperaturen von 80°C, 100°C und sogar 140°C bekommen - was auch immer von diesen Angaben zu halten ist. Neben den üblichen 2-4 Wochen Lieferzeit schreckten mich auch die 50-60 USD ab, die inklusive Fracht für solch eine Chinapumpe zu zahlen sind. Wer einen größeren Umbau seines Mundschenks scheut, aber immer braubereit sein möchte, sollte sich wahrscheinlich schon einmal eine Typ MP-10RN Pumpe in China bestellen - mir macht solch ein Umbau ja aber Spaß und so habe ich mich nach Alternativen umgeschaut.

Bei diversen deutschen On-Line Shops kann man ähnliche China-Magnetpumpen ebenfalls für um die 50-80 Euro erwerben. Durch deren abweichende Bauform müsste man dann aber auch die Verrohrung im Klarstein verändern. Der Speidel Braumeister - mein Meilenstein - verwendet für sein Malzrohrsystem eine Xylem Lowara Magnetpumpe aus Ungarn. Äußerlich ist das erst einmal eine ganz normale Trinkwasser-Umwälzpumpe, wie man sie in vielen Varianten bei Ebay erwerben kann.

Aber auch bei diesen Pumpen gibt es zwei wesentliche technische Unterschiede. Viele Trinkwasser-Umwälzpumpen sind nur bis 60°C oder 70°C Medientemperatur ausgelegt. Diese Grenztemperaturen werden wahrscheinlich durch preiswerte Kunststoffe gesetzt. Die Speidel Lowara Pumpe hat immerhin 95°C auf dem Typenschild stehen und ist nach klassischer Manier wahrscheinlich bis 100°C missbrauchsfähig.

Der zweite technische Unterschied liegt in der "Förderhöhe" von 1 bzw. 3 Metern Wassersäule. Im Hobbybrauerforum habe ich gelesen, dass man die Pumpe mit der größeren Förderhöhe wählen solle. Glücklicherweise hatte mein Braukollege Joachim beide Modelle in seinem Sudhaus und schickte mir die unten stehenden Bilder. Beim Pumpenrad der Lowara 15-3/65 für 3 Metern Förderhöhe wird das Fördermedium durch ein Loch in der Mitte angesaugt und dann durch den außen umlaufenden Schlitz heraus geschleudert. Ein enger Schlitz ermöglicht bei gleicher Baugröße einen höheren Wasserdruck - für ein Kühlwassersystem ohne feste Bestandteile sicherlich eine praktikable Lösung! Malzkörner aus dem Sud können sich in einem solchen System, das sich nach innen hin verengt leicht verfangen. Vor einem völligen Verstopfen der Pumpe wird sich durch festsitzendes Malz immer eine Unwucht einstellen, die zur mechanischen Schädigung der Pumpe führen kann.

Lowara Pumpenrad mit engem Schlitz für eine Förderhöhe von 3 m Wassersäule

Lowara Pumpenrad mit engem Schlitz für eine Förderhöhe von 3 m Wassersäule

Im Vergleich zeigt das folgende Bild links das Pumpenrad der Lowara "1 Meter Pumpe" 15-1/65, die im Speidel Braumeister verbaut ist. Die gelochte Deckscheibe über den Flügeln fehlt, was den offene Querschnitt des Pumpenrads erheblich vergrößert. Weichere Malzstücke können beim Durchtritt durch die Pumpe wie in einer Pfeffermühle zwischen Pumpenrad und Pumpengehäuse zermahlen werden - so weit meine Theorie.

Lowara Pumpenräder im Vergleich. Förderhöhe in Meter Wassersäule: links 1 m, rechts 3 m

Lowara Pumpenräder im Vergleich. Förderhöhe in Meter Wassersäule: links 1 m, rechts 3 m

Im äußerlichen Vergleich von Klarstein und LOWARA Braumeister-Pumpe schneidet die Lowara Pumpe durch den leicht zu öffnende Pumpenteil aus Messing deutlich besser ab. Nach Lösen der großen Überwurfmutter kann man den elektrischen Pumpenteil von der Mechanik trennen, ohne die Verrohrung öffnen zu müssen.

China Pumpe links und Ungarische Lowara Pumpe rechts im Vergleich (2018-12)

China Pumpe links und Ungarische Lowara Pumpe rechts im Vergleich (2018-12)

Betrachtet man nur das Pumpenrad beider Modell, so punktet das recht im Bild liegende Lowara Modell zwar durch 7 Flügel aus hochwertig scheinendem Kunststoff und eine Edelstahlglocke als Basis. Das im Klarstein verbaute Pumpenrad links im Bild weist dagegen nur 4 Flügel auf. Malzkörner von bis zu 7,5 mm Größe können hier gefördert werden, ohne die Pumpe zu verstopfen. Das wäre ein klares Plus für den Klarstein - wenn diese Pumpe den länger als 15 Sude gehalten hätte...

Der engste Spalt in der Chinapumpe misst üppige 7,5 mm - links. Die Lowara Pumpe, die auch im Speidel Braumeister verbaut wird, kann demnach viel schneller durch Malz zugesetzt werden

Der engste Spalt in der Chinapumpe misst üppige 7,5 mm - links. Die Lowara Pumpe, die auch im Speidel Braumeister verbaut wird, kann demnach viel schneller durch Malz zugesetzt werden

Text im Aufbau - 2018-12-13

In den kommenden Tagen erwarte ich die noch fehlenden Fittings für den Pumpenumbau dann geht es hier weiter...

Modifiziertes Gehäuse der Xylem Lowara Trinkwasser Zirkulationspumpe (2018-12)

Modifiziertes Gehäuse der Xylem Lowara Trinkwasser Zirkulationspumpe (2018-12)

Eigenbau-Steuerung - Klarstein Mundschenk - 11-2018

Mein Tagwerk war heute die ordentliche Verdrahtung des Chinesischen Bierreaktors. Es werden dann doch immer mehr Kabel als gedacht. Bis auf die Lüsterklemme, die im richtigen Leben auf einer Hutschiene stecken müsste, ist alles nun ordentlich in einem Aludruckgussgehäuse verpackt. Es werden zwei Heizungen (1800 Watt + 700 Watt) und eine Pumpe per 3x Solid-State-Relais (SSR = elektronische Relais ohne mechanische Schaltkontakte) vom ESP32 geschaltet. Der 5 Volt Schaltstrom für die SSRs kann zur Sicherheit zusätzlich per Schalter hart unterbrochen werden.

Die von Klarstein bereits verbauten Thermosicherungen - 1x reversible (125°C) und 1x irreversible (140°C) überwachen die Temperatur der Heizelemente und schalten bei Überhitzung softwareunabhängig ab. Bei Klarstein befand sich allerdings der "Computer" mit in der Absicherungsschleife, was bei den ersten Klarsteins zu Problemen führte.

Ein DS18b20 überwacht die Temperatur des SSR Kühlkörpers. Ein PT100 ragt von unten in den Biersud und steuert den Brauvorgang hauptsächlich. Ein zweiter DS18b20 misst die Sudtemperatur am Pumpenausgang - was auch immer ich mit dem Wert später anstelle.

Neue Arduino-Getriebene Steuerung für meinen Klarstein - 11-2018

Neue Arduino-Getriebene Steuerung für meinen Klarstein - 11-2018

Alle hardwarenahen Prozesse meiner Brausteuerung habe ich auf dem ESP32 über die Arduino IDE programmiert. Der ESP misst die Temperaturen und schaltet die SSRs vorgabegemäß. Der ESP ist per serieller 2-Draht Leitung mit einem NEXTION Touch Display verbunden. Diese Displays haben einen eigenen Prozessor, den man in einer graphischen PC-Oberfläche sehr komfortabel programmieren kann. Die Bedienoberfläche wird dabei per Drag and Drop aus Standardelementen wie Knöpfen und Eingabemasken erzeugt. Wer schon einmal "zu Fuß" solche Bedien-Oberflächen in C geschrieben hat, kann die Zeitersparnis schnell einschätzen. Es sieht dann alles sehr professionell aus und man ist auch schneller gewillt, ein paar extra Menüpunkte zu spendieren....

Bedient wird alles über ein NEXTION Touch Display - 11-2018

Bedient wird alles über ein NEXTION Touch Display - 11-2018

Mein erstes Schokoladenbier (2018-09)

Hier kommt noch das Rezept hin.
http://meinsudhaus.de/bier-rezepte/obergaerige-biere/schokoladenweizen/

Brauen bei Hagel und Sonnenschein ©Radow 2018-09-24

Brauen bei Hagel und Sonnenschein ©Radow 2018-09-24

Abfüllung des Schokoladenbiers

Vor dem Abfüllen heisst es immer erst mal "Flaschen putzen!"

Letzte Waschung mit Starsan vor der Befüllung ©Radow 2018-10-02

Letzte Waschung mit Starsan vor der Befüllung ©Radow 2018-10-02

Zum Glück passt der 20x 0,3 Liter Flensburger Kasten ganz in den Spülstein. Nach der Innen­spülung mit dem gelben Flaschenspüler können so die Flaschen kopfüber im Kasten kleckerfrei austropfen.

Anschließend werden sie für die Abfüllung bereitgestellt. Das nun keimfreie Gummi sollte beim Warten nicht auf der möglicherweis außen noch schmutzigen Flasche liegen.

Gewaschene und entkeimte Flaschen warten auf das Schokoladenbier ©Radow 2018-10-02

Gewaschene und entkeimte Flaschen warten auf das Schokoladenbier ©Radow 2018-10-02

Flaschenabfüllung per Schwerkraft ©Radow 2018-10-02

Flaschenabfüllung per Schwerkraft ©Radow 2018-10-02

Ergebnis: 55 Flaschen à 0,3 Liter Schokoladenbier - lassen wir uns in ein paar Wochen über­raschen!

Ca. 1 cm starker Bodensatz im 30 Liter Gärfass

Ca. 1 cm starker Bodensatz im 30 Liter Gärfass

Klarstein Mundschenk Version 2 - 2018

Als der neue Klarstein Mundschenk V2 als Garantieersatz meines Katastrophen V1 (siehe unten) eintraf, fiel sofort das von 170 auf 220 cm² vergrößerte Heizelement im Boden des Kessels auf. Mit den 2500 Watt Nennheizleistung ergibt sich eine Flächenbelastung von 2500 Watt/220cm² = 11,4 Watt/cm². Je niedriger dieser Wert ist, um so geringer muss die Temperaturdifferenz zwischen geheiztem Boden und Würze sein. Das wiederum belastet die Bestandteile der Würze weniger und verringert die Gefahr des Anbrennens.

Von 170 auf 220 cm² vergrößerte Heizfläche - Klarstein Mundschenk V2

Von 170 auf 220 cm² vergrößerte Heizfläche - Klarstein Mundschenk V2

An der Pumpe und der Bodenplatte aus Plastik wurde in der Modellüberarbeitung nichts verändert - ach doch, die schönen Schlauchschellen an den Silikon-Winkeln wurden durch farblich abgestimmte Kabelbinder ersetzt.

Eine reversible (125°C) und eine irreversible (140°C) Thermosicherung überwachen die Temperatur der Heizelemente und würden bei Überhitzung softwareunabhängig abschalten. Mit der neuen Heizung und der möglicherweise im Ansprechwert veränderten Thermosicherung konnte ich die letzten 10 Sude problemlos, kontinuierlich brauen. Klarstein hat also dazu gelernt!

Unteransicht mit geöffnetem Boden - Klarstein Mundschenk V2

Unteransicht mit geöffnetem Boden - Klarstein Mundschenk V2

Die Leistungsplatine wurde völlig überarbeitet und ist nun auch für die großen von den Heizungen benötigten Ströme ausgelegt. 2 Relais mit je 30 A max Schaltleistung - in der V1 nur 7A, zusätzliche Schmelzsicherungen für Pumpe und Heizung, sowie doppelte Steckverbinder für die Stromübertragung von und zur Platine machen einen durchdachten Eindruck. Um die neue Platine mit den zusätzlichen Features in das alte Elektronikfach im Unterboden zu bekommen, wurde der Trafo aus der V1 durch ein Schaltnetzteil ersetzt. Neu dazugekommen ist ein Piezosummer, der jeden Tastendruck und das Erreichen der Rasten durch ein Quietschen quittiert - den habe ich als Erstes abgeklemmt ;-)

Leistungsplatine, Bestückungsseite - Klarstein Mundschenk V2

Leistungsplatine, Bestückungsseite - Klarstein Mundschenk V2

Auch die Platinenunterseite sieht nun "vernünftig" aus. 230 Volt und die Steuerspannung sind ordentlich durch isolierende Schlitze in der Platine voneinander getrennt. Daumen hoch!

Leistungsplatine, Lötseite - Klarstein Mundschenk V2

Leistungsplatine, Lötseite - Klarstein Mundschenk V2

Zur Funktion des originalen Klarstein Mundschenk Braucomputers kann ich nicht viel sagen, da ich ihn sofort durch meine eigene Steuerung ersetzt habe. Ich kann hier nur die Klarsteinwerbung zitieren: "MemoryBrew: 9 programmierbare Maischeschritte mit individuellen Vorgaben für Temperatur, Dauer und Heizleistung". Positiv fällt das Design des LCD Displays auf: es ist so gebaut, dass man es selbst bei einem tief stehenden Kessel immer noch gut von oben ablesen kann.

LCD-Display mit Bedienfeld - Klarstein Mundschenk V2

LCD-Display mit Bedienfeld - Klarstein Mundschenk V2

Fazit:
Der Klarstein Mundschenk der 2. Generation, der mir im Januar 2018 zugeschickt wurde, tut was er soll. Mechanisch und elektrisch bietet er eine dem Preis angemessene Qualität. Dieser Chinakessel wird unter diversen weiteren Namen verkauft, so z.B. Arsegan Easybrew oder Guten brew.

Bei der Beschaffung sollte man über die möglicherweise nötigt Servicequalität im Garantiefall bzw. über die Verfügbarkeit von Ersatzteilen nachdenken - dazu habe ich bisher noch keine Erfahrungen mit Klarstein. Aus China würde ich mir solch einen Kessel aus diesen Gründen jedoch nicht direkt schicken lassen.

Die Sudausbeute liegt auch beim Klarstein aka Guten brew aka Arsegan Easybrew wie bei Malzrohrsystemen üblich nur zwischen 50 und 60% (65%?). Wer zwischendurch auch mal im Malzrohr rührt, kann ein wenig mehr heraus holen. Bei einem Malzpreis von 1-2 Euro/Kg ist dies nun aber eher ein Ehrenthema als ein wirtschaftlicher Faktor. In diesem Gerät können ohne Weiteres 30 Liter wallend kochen. 8 kg Malz passen problemlos ins Rohr - für meine 20-25 Liter Bier pro Sud ergibt das einen (für mich) ausreichenden Extraktgehalt.

Klarstein Mundschenk (30 Liter) Version 1 - 2017

Ca. ein Jahr lang habe ich vom ersten Einkocherbrauen bis zum Kauf eines 30 Liter Klarstein Mundschenks darüber nachgedacht, wie ich meine Brauanlage aufbauen möchte. Ich wollte nicht mehr selber rühren. Der Bau eines Rührwerks wäre mir zwar technisch möglich gewesen, schien mir aber im Vergleich zur Malzrohrtechnik für meine 20 Liter Sude zu kompliziert. 2016/17 gab es als Malzrohrsysteme den Speidel Braumeister ab ca. 1700 Euro, den Grainfather für ca. 800 Euro, sowie den Klarstein Mundschenk für unter 400 Euro zu kaufen. Addiert man die Kosten für einen Topf, eine Pumpe, eine Heizung, eine Steuerung und überlegt sich, wie man überhaupt ein passendes Malzrohr selber bauen könnte, kommt man für eine DIY Variante ebenfalls schnell auf ein paar hundert Euro.

Über den Klarstein Mundschenk V1 lass man 2016/17 in den Foren nur Schreckensgeschichten. Hauptsächlich wurde die "hakelige" Steuerung kritisiert - was immer damit gemeint war - und das frühe/häufige Anspringen der Thermosicherung, die dann auch jedes Mal die Programmeinstellungen zurück setzte. Die "Mechanik" wurde nicht weiter kritisiert - da ich die Steuerung sowieso neu bauen wollte, kaufte ich über ein Forum einen dieser "Unglückskessel" für "eine schmale Mark".

Klarstein Mundschenk V1 - 30 Liter Version

Klarstein Mundschenk V1 - 30 Liter Version

Die Metallarbeiten sind für dieses Preissegment sauber ausgeführt. Der Kessel besteht aus einem geschweißten Rohr - also mit Naht an der Seite und einem eingesetzten Boden. Diese Bauweise senkt die Kosten gegenüber einem tiefgezogenen Kessel ala Speidel natürlich erheblich - erst recht, wenn man die Wandstärke so dünn wählt, wie die Chinesen hier. Die gewählte Blechbauweise hat den Vorteil, dass man hartes, poliertes Blech verwenden kann, dass auch nach längerem Gebrauch noch glänzt und gut aussieht. Mögliche Ablagerungen an den Fügestellen der Kesselteile werden spätestens beim Hopfenkochen keimfrei ;-)

Dreht man den Kessel um, findet man in der schwarzen Bodenplatte zwei Fächer. Im einen kann man das aufgerollte Netzkabel verstauen und im anderen befindet sich eine spartanische "Leistungselektronik" bestehend aus zwei Relais mit 7A Nennstrom und einem Trafo mit Spannungsstabilisator für die Versorgung des "Braucomputers". Hier hat ein Chinese also scharf kalkuliert 7A x 230 Volt = 1610 Watt - naja, das große Heizelement hat ja nur 1800 Watt Nennleistung bei 240 Volt - passt fast.

Leistungsplatine - Bestückungsseite - Klarstein Mundschenk V1

Leistungsplatine - Bestückungsseite - Klarstein Mundschenk V1

Auf der Rückseite dieser Platine erkennt man immerhin etwas breitere Leiterbahnen im Leistungsteil - ob hier nun aber die Isolationsabstände zwischen 230 Volt und den dünnen Leiterbahnen, die auch zum Bedienteil führen ausreichen? - urteilt selbst...

Das Elektronikfach ist ausdrücklich nicht wasserdicht gestaltet. Alle Kabel werden von unten durch einen breiten Schlitz geführt - Flüssigkeit kann also nicht auf die von unten am Boden hängende Elektronik gelangen. Durch den tief liegenden Schlitz könnte aber auch alles möglicherweise eingedrungene Wasser wieder austreten - ist doch praktisch!

Leistungsplatine - Rückseite - Klarstein Mundschenk V1

Leistungsplatine - Rückseite - Klarstein Mundschenk V1

Schraubt man den mit drei Schrauben befestigten schwarzen Kunststoffboden vom Kessel ab, erreicht man den Pumpen- und Heizungsraum. Das Label der Magnetpumpe weist eine maximal zulässige Flüssigkeitstemperatur von 100° C aus. Im Bedienhandbuch wird darauf hingewiesen, die Pumpe jedoch beim Hopfenkochen nicht zu verwenden. Die Pumpe ist über zwei Silikon-Winkel an den Kessel (links im Bild) und an das Steigrohr (unten mittig im Bild) angeschlossen.

Zum Reinigen könnte die Pumpe theoretisch ausgebaut und zerlegt werden. Wie oft dies ohne "Bruch" möglich wäre, möchte ich nicht abschätzen. Kurz gesagt, dafür ist das System meiner Meinung nach nicht ausgelegt. Trotzdem kann man diesen Bereich durch Spülen gut reinigen. Das eigentliche Pumpenelement besitzt einen so großen freien Durchlass, dass es bei meinem V1 und V2 Klarstein noch zu keinen ernsthaften Verstopfungen kam - zur Not pustet man einfach mal oben in das Steigrohr, bis alles wieder frei ist.

Umwälzpumpe - Klarstein Mundschenk V1

Umwälzpumpe - Klarstein Mundschenk V1

Das Heizelement des Klarstein Mundschenks ist von unten an den dünnwandigen Blechboden des Kessels "angegossen". Es hat für seine Leistung eine verhältnismäßig kleine Kontaktfläche von 170 cm² zum Boden, was ungünstig hohe Temperaturen im Wärmeübergang erzeugt (ca. 2500 Watt/170 cm² = 15 Watt/cm²) Die zwei ringförmig angeordneten Heizwiderstände sind mit einer Nennleistung von 1800 und 750 Watt bei 240 Volt gelabelt. In der Mitte dieses Elements befindet sich eine selbstrückstellende Thermosicherung für den "Normalbetrieb" und eine Schmelzsicherung mit höherem Temperaturwert als "Notbremse". Eine derartige Absicherung haben alle Brausysteme. Auch beim Einkocher springt die Thermosicherung ab und zu einmal "heraus". Wie oben bereits erwähnt, läuft aber auch die Stromversorgung des Braucomputers über diese Thermosicherung. Danach sind dann alle Rasten wieder neu zu programmieren.

Sehr kleinflächiges Heizelemente: 1800 und 750 Watt Nennleistung bei 240 Volt<br>Klarstein Mundschenk V1

Sehr kleinflächiges Heizelemente: 1800 und 750 Watt Nennleistung bei 240 Volt
Klarstein Mundschenk V1

Schon beim Anheizen konnte man bei meinem Klarstein V1 einen sehr ungleichmäßigen Wärmeübergang vom Heizelement in den Boden/das Wasser erkennen. Die unregelmäßig auftretenden Dampfblasen zeigen dies deutlich. Normalerweise sollten diese ringförmig angeordnet über den zwei Heizwiderständen entstehen.

Ohne Maische im Rohr und bei ständiger Wasserbewegung durch die Pumpe funktionierte diese Heizung noch ohne Unterbrechungen. Sowie man aber die Pumpenleistung drosselte oder sich ein leichter, isolierender Bodensatz gebildet hatte, sprang die Thermosicherung auch schon nach dem Einmaischen bei deutlich unter 100°C Medientemperatur an. Während der Aufheizzeit von einer Rast zur nächsten geschah dies jeweils mehrmals. Bis zum Abkühlen der Thermosicherung hatte dann auch die Würze wieder ein paar °C verloren - purer Frust kam auf!

Nur ca. 170 cm² großes, schlecht an den Boden angebundenes Heizelement<br>Klarstein Mundschenk V1

Nur ca. 170 cm² großes, schlecht an den Boden angebundenes Heizelement
Klarstein Mundschenk V1

Nach einigen Schriftwechseln mit der Firma Klarstein - "Derzeit erreicht uns eine sehr große Anzahl von Anfragen, die wir versuchen so schnell wie möglich zu beantworten." = das kann ein wenig dauern - bekam ich als Garantieleistung einen neuen Klarstein V2 zugeschickt. Meinen Bericht dazu findet man weiter oben auf dieser Seite

Trotzdem habe ich mit diesem Katasthrophen-Klarstein-Mundschenk ein tolles Weizen hin bekommen:

Mein erstes Hefe-Weizen aus dem Klarstein Mundschenk

Mein erstes Hefe-Weizen aus dem Klarstein Mundschenk

Brauen im Einkocher - 2016

Nach unserem Besuch bei "Das Freie" haben uns die netten Leute von der Braukiste des Platzprojekts Hannover die Grundlagen des Einkocher-Brauens beigebracht. Da es schon Oktober war und wir im Freien brauen mussten, dauerten die jeweiligen Aufwärmphasen sehr lange. Später haben wir zur Wärmeisolation eine Wolldecke um den Topf gewickelt. Den tiefsten Eindruck hinterließ bei mir das ständig notwendige Rühren des Suds - das muss automatisiert werden! Die Würze von nicht einmal 20 Litern teilten wir noch am Abend durch drei. Die Gärung führte dann jeder bei sich daheim durch.

Brauen mit dem Einkocher im Freien - rühren - rühren - rühren

Brauen mit dem Einkocher im Freien - rühren - rühren - rühren

Gärbox v1 - 2016

Bei einem obergärigem Hefeweizen soll die Gärtemperatur je nach Hefe und Biercharakter bei 17° C - 22° C und auch höher liegen. Hefeweizen gilt als Sommerbier, da zu dieser Jahreszeit die Gärung bei normaler Umgebungstemperatur statt finden kann. Für meine Kellergärung habe ich mir eine Gärbox aus 50 mm starken Styroporplatten gebaut. Hier hinein passt ein Handelsüblicher 17 Liter Plastikeimer mit Deckel. Die Box ist genau so hoch, dass der im Eimerdeckel steckende Gärspunt zur Beobachtung aus der Box heraus steht.

Erstes CO2 entweicht - die Hefe arbeitet!

Als schnellste Lösung zur Temperaturregelung viel mir eine Ramps 1.4 Steuerung für 3D Drucker in die Hände. Diese integriert einen Arduino zur Prozesssteuerung, zwei Temperatursensoranschlüsse und eine Leistungssteuerung für das Heizelement perfekt. Meine Boxheizung besteht aus dem Thermoelement des Druckkopf eines 3D-Druckers. Das habe ich auf einen alten Kühlkörper geschraubt, der wiederum von einem PC Lüfter angeblasen wird. Um eine lokale Überhitzung der Würze zu vermeiden, ist der Temperaturregelsensor direkt im Luftstrom hinter dem Heizelement angeordnet.

In der Software musste ich nur das "Druck-Filament" Hefeweizen mit 22° C Solltemperatur anlegen - das wars. Über die Bedienknöpfe wählt man dieses Profil aus und startet die Heizung. Auf dem Display werden links die Ist und die Soll Temperatur angezeigt. Den zweiten bei 3D Druckern üblichen Sensoren (für das Heizbett) habe ich in der Box weit entfernt vom Heizelement angeordnet. Die Theorie dazu: wenn der Gäreimer vollständig aufgeheizt ist, sollten beide Temperatursensoren nahezu den gleichen Wert anzeigen. Im Bild unten wird eine Soll von 22° C und ein Ist von über 23° C angezeigt. Die Hefe war zu diesem Zeitpunkt so aktiv, dass sie nicht mehr geheizt werden musste. Eine Kweik Hefe hat es in dieser Box durch Eigenerwärmung sogar schon einmal auf 28° C gebracht.

3D-Druckerhardware zur Thermosteuerung

3D-Druckerhardware zur Thermosteuerung

Technik ist gut, Kontrolle ist besser. Da 3D-Drucker keine absolute Temperaturregelung im 1°C Bereich benötigen, habe ich den Prozess am Anfang mit einem Bratenthermometer überwacht. Ich konnte es ja einfach durch die Styroporplatten hindurch stecken.

Zusätzliche Überwachung der Gärtemperatur mit einem Bratenthermometer

Zusätzliche Überwachung der Gärtemperatur mit einem Bratenthermometer

"Plötzlich" war das Bier fertig und musste in Flaschen gefüllt werden. Die schnellste Methode an saubere, keimfreie Flaschen zu kommen war für mich damals der Gang in den Supermarkt. Da eine lange Lagerung dieses ersten Biers nicht zu erwarten war, taten es auch lichtdurchlässige Flaschen. Das Mineralwasser aus dem Sonderangebot für unter 10 ct pro Flasche haben die Ratten in der Kanalisation getrunken. Abgefüllt wurde auf der Werkbank mit einem Silikonschlauch per Schwerkraft.

Abfüllen in keimfreie Mineralwasserflaschen

Abfüllen in keimfreie Mineralwasserflaschen

Die Flaschen kamen zur Nachgärung wieder in die Gärbox. Rechts im Bild sind der Kühlkörper der Heizung und der Ventilator zur gleichmäßigen Wärmeverteilung zu erkennen.

Flaschengärung in der Gärbox - rechts am Boden die Heizung aus 3D-Drucker Bauteilen

Flaschengärung in der Gärbox - rechts am Boden die Heizung aus 3D-Drucker Bauteilen

Hätte mir dieses Hefeweizen nicht geschmeckt, würde diese Seite hier enden ;-)

Wie alles anfing - 2016

2016 hatten wir in der Arduino Hannover Gruppe die Idee entwickelt, Bier zu brauen und/um dazu eine Brausteuerung zu entwickeln. Die Kombination der Themen Kessel, Verrohrung, Sensoren, Rührwerk, Pumpen etc. und deren Steuerung mit dem Arduino begeisterten mich sofort. Als Gelegenheits-Weizenbiertrinker stand für mich zunächst die Technik im Vordergrund.

Zufälligerweise konnte man im Rahmen des Regionsentdeckertag Hannover am 04.09.2016 die Klein-Brauerei "Das Freie" auf dem Gutshof Rethmar besuchen. Dort sah ich nun meinen ersten Hopfen und durfte Malzkörner probieren.

Hopfen, Malz und das Malzrohr eines 50 Liter Speidel Brauapparats der Klein-Brauerei "Das Freie"

Hopfen, Malz und das Malzrohr eines 50 Liter Speidel Brauapparats der Klein-Brauerei "Das Freie"

Bei den Themen Freizeit und Bier ist natürlich die Presse nicht weit. Geduldig posierten Rejnold und ich für die Kamera, während uns vom Fachpersonal die Grundzüge des Brauens erklärt wurden. In unserer lokalen Zeitung wurde dann das unten stehende Foto im Artikel "Bierbrauer lassen sich in die Kessel schauen" mit dem Untertitel "Stephan D. (rechts) zeigt den zukünftigen Hobbybrauern Rejnold B. (links) und Rainer Radow, wie der Zuckergehalt gemessen werden kann" veröffentlicht. Ab diesen Tag fragten meine Kollegen regelmäßig nach dem ersten Selbstgebrauten ...

Besuch der Craft Bier Brauerei "Das Freie" auf einem Gutshof in Rethmar bei Hannover<br>Quelle Foto: HAZ 2016-09-04

Besuch der Craft Bier Brauerei "Das Freie" auf einem Gutshof in Rethmar bei Hannover
Quelle Foto: HAZ 2016-09-04

Das es so viele verschiedene Malzsorten gibt, hatte ich bis zu diesem Tage nicht gewusst. Vor dem Können der Mälzer kann man nur den Hut ziehen. Sie sind es ja, die überhaupt erst das Brauen der vielen unterschiedlichen Biertypen ermöglichen.

Malzauswahl aus dem Lieferprogramm der Mälzerei Weyermann

Malzauswahl aus dem Lieferprogramm der Mälzerei Weyermann

Besonderes Interesse weckte bei mir natürlich der "kleine" 50 Liter Speidel Braumeister Kessel. Mit ihm hatten die Leute von "Das Freie" ihre ersten Sude gebraut. Das offene und sehr aufgeräumt wirkende Design des Kessels erlaubt tiefe Einblicke. Es gibt zwei Sudpumpen, die eine gute Umwälzung beim Brauen gewährleisten. Durch die Kombination von Pumpen und dem Malzrohrprinzip muss beim Speidel während des Brauens so gut wie nicht gerührt werden. Ein Temperaturfühler sorgt in Verbindung mit einer Mikroprozessorsteuerung für einen geregelten Brauablauf. Die Speidel Kessel zeichnen sich durch eine hohe Verarbeitungsqualität aus. Das 20 Liter Gerät liegt 2018 in der Grundausstattung bei ca. 1.600 Euro.

Speidel Braumeister 50 l von unten. Vorne eine der zwei Sudpumpen, hinten der Kühlkörper der Steuerung

Speidel Braumeister 50 l von unten. Vorne eine der zwei Sudpumpen, hinten der Kühlkörper der Steuerung

Im Sudhaus von "Das Freie" steht natürlich ein größerer Speidel, der aber nach dem gleichen Prinzip arbeitet. Da das Malzrohr in diesen Dimensionen nicht mehr mit der Hand aus dem Sud gehoben werden kann, gibt es dafür einen Kran. Der weitere Vorteil dabei: man kann das Malzrohr sehr langsam aus dem Sud ziehen und damit einer unerwünschten Verdichtung der sich durch das Malz bildenden natürlichen Filterschicht vorbeugen.

Sudhaus von

Sudhaus von "Das Freie" beim Regionsentdeckertag Hannover am 04.09.2016

Am Ende dieses Tages stand für mich fest: "Ich will mir auch solch eine Brauanlage bauen!"